Lemvos 2015-2026
Langfristige Unterstützung
Folgende Personen wurden über mehrere Monate oder Jahre unterstützt:
- A. S.Sans-Papiers
Insulinpflichtiger Diabetiker mit Angina pectoris, peripherer Neuropathie, nekrotisierender Ösophagitis und Sehstörungen. Er wird zusätzlich mit Antidepressiva und Antipsychotika behandelt. Es erfolgten wiederholte Hospitalisierungen.
A. S. erhielt schließlich eine staatliche Invalidenrente. Das Flüchtlingswohnheim IOS stellte ihm weiterhin eine Unterkunft zur Verfügung. Somit wurde er finanziell stabil und ist seit 2020 nicht mehr von der Unterstützung durch LEMVOS abhängig. Er ist 2026 an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben.
- A. R.Bangladesch
Knochenbrüche an den Füßen infolge von Folter und einem Arbeitsunfall. Überdies leidet er an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). In Griechenland wurde er durch einen rassistischen Angriff misshandelt, was seine PTBS-Symptomatik verschlimmerte.
2019 erhielt er eine Anstellung als Dolmetscher und Wachmann in einer Aufnahmeeinrichtung für minderjährige Flüchtlinge - eine Tätigkeit, die körperlich weniger belastend ist. Somit war er nicht mehr auf unsere Unterstützung angewiesen.
- A. S.Griechenland
Pflegefall in einer Behinderteneinrichtung im Westen von Athen. Patientin mit Schizophrenie sowie körperlicher Behinderung infolge eines Brandunfalls. Sie erhielt in den Jahren 2019-2020 finanzielle Unterstützung für eine externe Pflegekraft. Die Pflegekraft mobilisierte sie täglich für einige Stunden vom Bett in den Rollstuhl und badete sie wöchentlich.
Im Jahr 2020 wurde aufgrund der COVID-Pandemie der externen Pflegekraft die Einreise verweigert. Frau S. verstarb im Oktober 2020 im Krankenhaus von Agia Sotiria.
- M. K. M.Bangladesch
Tetraplegiker mit eingeschränkter Beweglichkeit in nur einem Arm. Er wurde von einer externen Pflegekraft unterstützt, die ihn täglich für einige Stunden vom Bett in den Rollstuhl transferierte und wöchentlich badete.
Er verstarb im Jahr 2019. LEMVOS und seinem Freundeskreis gelang durch die Vermittlung der Botschaft von Bangladesch die Überführung des Leichnams in sein Heimatland.
- N. T.Iran
Litt unter Angina pectoris und Alzheimer. Wurde sechs Monate lang als Flüchtling in Griechenland unterstützt.
Anschließend flog sie nach Schweden, wo sie politisches Asyl beantragte und erhielt. Dort lebt sie jetzt mit ihrem Sohn, welcher direkt aus dem Iran nach Schweden flüchten und ebenfalls den Flüchtlingsstatus erlangen konnte.
- S. R.Pakistan
2010 wurde bei ihm eine psychotische Depression diagnostiziert. Aufgrund dessen wurde er 2015 notfallmäßig in die Psychiatrische Klinik des „Allgemeinen Spitals G. Gennimatas" in Athen eingeliefert und dort einige Wochen behandelt. In einigen Kliniken wurde zusätzlich ein Asperger-Syndrom diagnostiziert.
Seine Existenz hing lange ausschließlich von der Unterstützung durch den Verein LEMVOS ab. Im letzten Jahr war seine Arbeitssuche teilweise erfolgreich, weshalb er momentan nur noch bedingt auf LEMVOS angewiesen ist.
- E. B.DR Kongo
Wurde von Medizinern der Organisation „Ärzte ohne Grenzen" in Athen wegen PTBS, schwerer Depression und Psychose behandelt. Die Therapie erfolgte mit Antipsychotika, Antidepressiva und Schlafmitteln.
LEMVOS sorgte drei Monate lang für seinen Lebensunterhalt, bis er schließlich nach Belgien floh.
- H. M.
Unterstützung bei Non-Hodgkin-Lymphom. LEMVOS finanzierte ein Motorrad für eine flexible Tätigkeit als Kurierfahrer.
Nach zwei gescheiterten Chemotherapien wird aktuell eine Transplantation durchgeführt; der Verein sichert derzeit den kompletten Lebensunterhalt (Miete/Unterhalt).
Vorübergehende Hilfe
Aufgrund schwerwiegender gesundheitlicher Probleme waren diese Personen für einen gewissen Zeitraum arbeitsunfähig und verfügten über keine Mittel für ihren Lebensunterhalt. Ihr Gesundheitszustand hat sich jedoch seither deutlich verbessert.
- A. S.
Wurde wegen des Verdachts auf rezidivierende Tuberkulose oder einen Tumor stationär aufgenommen. Er war aufgrund massiver Diarrhö physisch stark geschwächt und verlor infolgedessen seine Arbeit.
- S. M.
Leidet unter wiederkehrenden Episoden plötzlichen Bewusstseinsverlusts. Herzprobleme wurden durch Mediziner von „Ärzte ohne Grenzen" diagnostiziert.
- M. H.
Akute Blinddarmentzündung und intraperitonealer Abszess mit einem Rückfall nach fünf Tagen. Operation im Korgialenio-Benakio-Spital in Athen. Er verlor dadurch seine Arbeitsstelle und seine Wohnung. Das Flüchtlingswohnheim „ΗΩΣ" bot ihm Unterkunft an, während der Verein LEMVOS drei Monate lang für seinen Lebensunterhalt aufkam.
Unterstützte NGOs
NGOs, die vom Verein LEMVOS bei spezifischen Projekten unterstützt wurden:
Xenonas ΗΩΣ (Flüchtlingsheim IOS)
Beherbergt bis zu 20 Geflüchtete, aktuell fünf davon mit chronischen Krankheiten, unterschiedlichen Invaliditätsgraden oder im fortgeschrittenen Alter. IOS erhielt regelmäßig Unterstützung durch LEMVOS (Heizöl, Einkaufsgarten, Haushaltsgeräte).
In den letzten Jahren beherbergt Xenonas ΗΩΣ immer mehr ältere, obdachlose griechische Staatsbürger. Dies geschah, nachdem die bisherigen Heimbewohner entweder ihre Gesundheit und Arbeitskraft wiedererlangt hatten, verstorben waren oder Griechenland verlassen haben.
TANDEM
LEMVOS hat in Zusammenarbeit mit dieser Organisation und deren Freiwilligenteam mehrere Ausflüge organisiert für Bewohner der Einrichtung AMEA (Menschen mit Behinderungen) im Osten Athens, die zuvor jahrelang keine Möglichkeit hatten, Zeit im Freien zu verbringen.
PAAP (Soziale Dienste für Kinder mit Behinderungen)
Der Verein LEMVOS unterstützt seit 2017 Selbsthilfe-Bildungsprogramme für Kinder dieser Einrichtung.
Lesvos Solidarity
Im Jahr 2023 begann eine neue Partnerschaft mit der NGO Solidarity of Lesvos. Bisher wurden folgende Projekte finanziert:
- Übernahme der Flug- und Reisekosten von Lesbos nach Athen für eine spezialisierte Untersuchung (MRT des Gehirns und radiologische Diagnose) für einen Patienten mit einem Invaliditätsgrad von über 67 % und geringer Rente.
- Übernahme der Reisekosten für ein griechisches Ehepaar mit einem autistischen Kind zur Untersuchung bei einem Kinderpsychiater in Athen.
- Finanzielle Unterstützung für die Anstellung eines Farsi-Dolmetschers zur Begleitung psychologischer Sitzungen für Geflüchtete.
- Anschaffung von Brillen für Kleinkinder.
- Übernahme der Kosten für diagnostische Ultraschalluntersuchungen bei einer schwangeren Frau aus Somalia.
- Bereitstellung von Dolmetscherdiensten für somalische Flüchtlinge.
Übergreifendes Engagement
Der Verein LEMVOS hat zusammen mit seinem Freundeskreis wesentlich zur Lösung komplexer Alltagsprobleme beigetragen. Dazu gehörten die Wiederherstellung der Kommunikation zwischen Schwerkranken und ihren Angehörigen im Ausland sowie die Vermittlung zwischen Patienten, Ärzten und sozialen Diensten in Krankenhäusern.
LEMVOS übernahm zudem Übersetzungen von Gutachten, leistete zahnärztliche Nothilfe und assistierte bei komplizierten bürokratischen Verfahren - wie etwa die Überführung des Leichnams von M. K. nach Bangladesch durch die Vermittlung von Kontakten zur Botschaft, oder die Intervention im Fall des im Krankenhaus von Arta verstorbenen M. X., bei dem nach Rücksprache mit der Gerichtsmedizin und dem Sozialdienst erreicht werden konnte, dass der Leichnam im Krankenhaus verblieb, bis die Angehörigen aus Österreich eintrafen.
Und wir sind immer engagiert weiter zum Helfen, da wo die Hilfe des institutionellen Systems die Menschen nicht erreicht.